Hasta luego, bis bald San José! Es ist Zeit zu gehen. Zeit für Veränderung.

Da ist der Projektwechsel in Angriff genommen und plötzlich kommen doch sentimentale Abschiedsgefühle auf. Gehen, wenn es am schönsten ist.

Diese Stadt, die ich als alles andere als meinen Lieblingsort bezeichnen würde, ist über die Monate doch mehr zu einem zu Hause geworden, als ich es gemerkt habe. Jetzt, da mein Umzug näher rückt, wird mir das bewusst.

Die netten Grußworte und Smalltalks haben längst die Anonymität der Stadt aufgeweicht, denn auf dem Weg zur Arbeit bin ich bei einigen Leute, wie dem Tortillaverkäufer, dem Mann aus dem Copyshop oder der typischen Soda an der Ecke bekannt. Auch, wenn ich abends aus gehe treffe ich manchmal zufällig Leute wieder, wodurch der Hauptstadtcharakter verschwindet und der Abend spontan ziemlich lustig werden kann.

Der Ort hängt immer von den Menschen ab, die ihn mit Leben füllen. Die Begegnungen, die neuen Freundschaften machen den Ort mehr aus als alles andere.

So erscheint mir nun San José längst nicht mehr so anstrengend, wie am Anfang. Jetzt, da ich tolle Menschen kennen gelernt habe, sind es die schönen gemeinsamen Erlebnisse, die ich mit dem Ort verbinde. Am liebsten würde ich noch mehr Zeit mit ihnen verbringen. Viel zu kurz wirken unsere Wegkreuzungen.

Doch mein Weg führt mich nun aus dieser Stadt hinaus in den Dschungel. Vor einiger Zeit hatte ich die Entscheidung für den Projektwechsel getroffen und ich bleibe dabei. Auch, wenn ich jetzt mit etwas Wehmut an die neu geknüpften Freundschaften denke, bin ich entschlossen den Projektwechsel zu wagen.

Umzug. Auszug aus der Stadt. Einzug in die Natur.

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Eingang der Aufforstungsstation, Juli 2016

Ich gebe mir den totalen Kontrast. Vom Hauptstadtleben in die ländliche Isolation.

Vielleicht ist es sogar mehr eine selbstauferlegte Kur, als nur ein Projektwechsel, wenn ich ehrlich bin. Während des emotionalen Wellengangs, die meine Zeit in San José ausmachte, war ich ziemlich aus dem Gleichgewicht geraten. Weit weg von meiner Mitte, irgendwo anders, vielleicht in den Negativspiralen meiner Gedanken gefangen, auf jeden Fall nicht im Hier & Jetzt, weil mich alles ziemlich nervte und traurig machte.

Gewalt gegen Indigene im “Land des Friedens”,Vermüllte Flüsse im Naturparadies,Was unser Ananaskonsum mit Grundwasservergiftung zu tun hat…,Costa Ricas Heißhunger nach Pestiziden ,Grüße aus der Bananenrepublik! ,Berta lebt! Der Kampf geht weiter!

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Graffiti in San José, Februar 2016

Ich spührte den Schmerz, um das, was in der Welt passiert und musste lernen damit um zu gehen. Leicht ist es, sich zu verschliessen gegen den Schmerz, hart zu werden und sich durch die negativen Nachrichten in die apathische Ohnmacht ziehen zu lassen.

Viel schwieriger ist es ihn an zu nehmen, als natürlich zu empfinden und ihn als Zeichen der Verbundenheit zu sehen: Ich bin kein getrenntes Wesen, das alleine auf der Welt herum irrt. Das, was passiert, hat Auswirkungen auf mich. Und so hat auch das, was ich tue Auswirkungen auf das Netz des Lebens.

Dadurch, dass ich so oft mit Situationen konfrontiert war, die in mir Widerstände auslösten, zeigte mir das Leben ganz klar, was nicht mein Weg ist. Paradoxerweise wurde ich dadurch gleichzeitig über ihn bewusster. Tränen und emotionaler Schmerz als Signale, wenn ich meine Bedürfnisse nicht beachte oder gegen meine Wahrheit lebe.

Die Dunkelheit ist fruchtbar.

Alles in mir schrie nach Stille. Meine Füße sehnten sich nach barfuß laufen. Meine Lungen nach frischer Luft. Meine Augen nach grün.

Denn ich musste einfach raus aus der Stadt, hinter den Schreibtisch weg, rein in die praktische Arbeit, wo ich sinnvoll meine Energie einsetzen kann.

Es ist ein Jahr des freiwilligen Dienens.

Doch bis wohin geht der Dienst und ab wo muss ich gut für mich selbst sorgen?

Im Friedenszentrum habe ich getan, was ich konnte. Mir versucht immer wieder neue kleine Projekte aus zu denken in einem ziemlich freien Rahmen.Nun will ich an einen Ort gehen, wo ich mehr gebraucht werde. Positive Effekte meiner Arbeit sehen kann.

Den ersten Monat verbrachten wir Freiwillige an diesem Ort bevor wir in unsere Projekte gingen:

Der ökologische Korridor der Aufforstungsorganisation ARBOFILIA.

Jedoch ist es kein Zurückkommen, da  -wie gesagt- ein Ort immer von den Leuten abhängt. Also wieder eine neue erlebnisreiche Zeit, neue Gruppe und viele Bäume die gepflanzt werden wollen. Yeah! 😉

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