Nach einer längeren Zeit in der Ferne, egal ob ein Jahr, mehr oder weniger, wenn du dich wirklich eingelassen hast, eingetaucht bist und viel erlebt hast, dann ist das Zurückkehren in die Heimat manchmal gar nicht so leicht. Auch, wenn es das Land ist, in dem du aufgewachsen bist, es eigentlich ein Ankommen im vertrauten Hafen ist, kann die erste Zeit komisch sein.

Grade war da noch die große Welle der Euphorie deine Familie und Freunde wieder zu sehen und plötzlich ist sie verebbt und du fühlst dich etwas fehl am Platz, hinein gespült ins alt Bekannte. Du bist nicht mehr die Person, die damals vor der großen Reise noch unwissend, was für Erlebnisse auf sie zu kommen würden, die Segel setzte. Du bist gewachsen, gereift. Alte Muster sind zu klein geworden. Wieder zurück wollen sich die Veränderungen erst einmal sortieren. Vielleicht gab es große Veränderungen in dir, aber nicht in der Welt, in die du zurück kommst. Vielleicht gab es in dir und im Außen große Veränderungen, mit denen du dich erst einmal anfreunden musst. Ein Chaos, welches Verwirrung aufkommen lässt, hinsichtlich der eigenen Rolle, Rollenerwartungen anderer, Gefühle und Identität.

Dazu die Konfrontation mit Deutschland. Nach einem Jahr außerhalb deines Kulturkreises fallen dir plötzlich Eigenarten auf, die dich vielleicht sogar stören oder dir fehlen auf einmal Aspekte, die du in der Ferne lieb gewonnen hattest. Das fängt bei leichten Sachen, wie dem Essen an, aber auch Züge der allgemeinen Mentalität können das sein. Schnell kommst du ins Vergleichen. Von der Ferne aus betrachtet, sah das Bild der Heimat noch viel verlockender aus, als jetzt, da du tatsächlich wieder dort bist. Anders herum ist es immer so viel leichter Wünsche und Träume auf das Entfernte zu projizieren.

Du bist nicht mehr dort, aber auch noch nicht richtig hier. Einfach dazwischen. Zwischen Abschied und Willkommen. Hier und dort. Erinnerungen und Zukunftsplänen. Wehmut und Neugierde. Trauer und Freude.

Das Chaos hat seine volle Daseinsberechtigung. Es ist notwendig. Wie eine Umbaupause für die nächste Szene. Wie ein Übergang von einem Kapitel in das nächste. Eine Schwellenzeit.

 

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